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Thomas Rohregger's Giro-Tagebuch
30.05.2009
Der österreichische MILRAM-Profi Thomas Rohregger bestreitet mit dem 92. Giro d'Italia die erste große dreiwöchige Landesrundfahrt seiner Karriere. Der 26-Jährige, der das deutsche ProTour-Team als Kapitän anführt, berichtet auf team-milram.de in loser Reihenfolge von den vielen verschiedenen Eindrücken die er in Italien sammelt.
30. Mai
"Today tranquillo!"
Hallo Leute,
heute gab´s nochmals einen 46er Schnitt auf 200km - so zu sagen zum Drüberstreuen für einen Giro, der uns keine einzige lockere Etappe gegönnt hat. Von dem sogar Lance Armstrong sagt, dass jeder verrückt ist, der glaubt der Giro sei gemütlicher als die Tour de France. Mit diesen Strapazen geht dann jeder Rennfahrer auf seine Art und Weise um. Bestes Beispiel heute: Der US Amerikaner David Zabriskie, der sich am Start das Megaphon schnappte und den vielen, nach di Luca rufenden Fans erklärte: "Calm down, today we take it tranquillo!" So viel Sarkasmus nur 3 Minuten vor Start, alle Achtung! Dave ist echt unser Pausenclown. Ich wäre fast am Boden gelegen vor lauter Lachen, das könnt ihr mir glauben. Seine Ankündigung hat sich aber leider schon bei Kilometer 0 erledigt, von da weg gab`s heute wieder Attacke um Atacke. Das Gemetzel ging also in die vorletzte Runde! Ansonsten war ich heute froh, die Gegend um Neapel wieder verlassen zu können. Die Löcher in der Straße wurden jetzt echt teilweise so tief, dass du dich darin hättest verstecken können. Und auch sonst ist die Region gar nicht so ungefährlich!
Gerade sind wir in Rom angekommen. Morgen wartet also das „Grande Finale“ und ich versuche, noch einen tiefen Zug vom Giro-Feeling einzuatmen. Nach einer Defilierung vor dem italienischen Ministerpräsidenten sitze ich dann schon im Flieger, wo ich erstmals richtig Zeit haben werde, die vergangenen drei Wochen zu analysieren, zu resümieren und wieder nach vorne zu schauen. Darauf freue ich mich schon. Ich halte euch auf alle Fälle auf dem Laufenden!
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28. Mai
"Täglich Grüßt der Giro"
War das heute wieder eine schnelle und hektische Etappe! Quasi zum Drüberstreuen waren auch Wind und ein wenig Regen ständige Begleiter dieses Tages. Gleich zu Beginn des Rennens gab es einen 15km Anstieg, was bedeutete, dass immer wieder diverse Attacken geritten wurden. Allerdings hat sich erst nach 70 Kilometern eine entscheidende Gruppe vom Feld lösen können. Leider war keiner von unserem Team Milram dabei. Wir haben zwar noch probiert das Loch zu schließen, jedoch ist es beim Versuch geblieben. Ich sag euch, ich bin jetzt wirklich schon angeschlagen und fühl mich, als ob ich die Hauptrolle in dem Film " ... und täglich grüßt der Giro " spiele. Naja, nicht mehr weit bis Rom. Morgen geht es rauf auf den Vesuv und da wünsch ich mir nur eins: sollte der Vesuv beben, dann nur wegen der vielen Zuschauer. Bin mir sicher, morgen fällt die Entscheidung beim Giro. Es wird also spannend.
Werde jetzt mal in den Geschichtsbüchern stöbern, um mich schlau zu machen, wann es die letzte Eruption am Vesuv gegeben hat. Details darüber dann morgen ;-)
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27. Mai (zweiter Teil)
Hallo Leute!
Eine kurze, aber sehr schnelle Etappe liegt heute hinter uns und mein Körper läuft mittlerweile auf Energiesparmodus ;-)Auch wenn ich wollte, kann ich einfach nicht mehr Vollgas fahren - echt schwierig, sich nach dem Ruhetag neu zu motivieren. Es ist halt ein komisches Gefühl, wenn der Körper voll auf Regeneration umgeschaltet hat und dann wieder Vollgas geben muss.
Trotzdem bin ich zufrieden, wie die heutige Etappe verlaufen ist. Ein großes Danke gilt meinem Teamkollegen Björn Schröder, der mich heute ins Ziel begleitet hat. Wir übernachten nochmals in den Abruzzen, genauer gesagt in Popoli. Hier sind aufgrund des Erdbebens 30% der Gebäude unbewohnbar - echt heftig. Danilo di Luca stammt ja aus dieser Gegend und hat eine tolle Spendenaktion ins Leben gerufen. Mit rosafarbenen Armbändern (die gelbe Version kennen wir ja noch von Lance Armstrong`s Livestrong Krebsstiftung) kann man die Region unterstützen.
Die Rosa Giro - Abruzzenarmbänder tragen den Schriftzug "Abruzzi amo", also „ich liebe die Abruzzen“! Sie kosten einen Euro und der Erlös kommt den Opfern der Katastrophe zu Gute. Ich habe schon einige dieser Armbänder gekauft, wer welche braucht oder die Aktion ebenfalls unterstützen will, bitte melden!
lg, euer Tommy
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27. Mai
Hallo Ihr zu Hause!
Was war das gestern für ein Traumtag für mich. "RUUUUHHHEEETAAG". Ich hab mich so richtig entspannen können. Ein wenig am Rad sitzen, Kaffee trinken, schlafen, Massage, DVD schauen und ganz wichtig, essen, essen, essen.
Das Motto lautete gestern: Akkus aufladen. Bin jetzt schon seit drei Wochen tagtäglich in einem anderen Bett, und freu mich so richtig auf daheim. Werde nächste Woche in meine Wolhfühloase, ins Ötztal, fahren, um wieder zu neuen Kräften zu kommen. Aber jetzt mal alles der Reihe nach: Sich nach so einem Ruhetag wieder aufzuraffen, ist schwer, aber da geht es wahrscheinlich allen gleich.
Heute wird die Heimetappe von Danilo di Luca gefahren und ich bin mir ziemlich sicher, dass er auf den Blockhaus-Anstieg wieder das Rosa Trikot zurückerobern möchte. . . Ich werde schauen, dass ich meine letzten Kräfte mobilisieren kann, um vielleicht nochmals auf mich aufmerksam zu machen. Aber ehrlich gesagt, bin ich schon ziemlich erledigt. Hab mich mehr oder weniger entschieden, nach dem Giro einige Tage Pause zu machen, um danach die Tour de Swiss zu fahren.
Wie der Giro, macht ja auch die Tour de Swiss Station in Tirol. Nach dem Zillertal ist jetzt Serfaus an der Reihe. Joe Magreiter und sein Team von der Tirol Werbung machen schon sehr viel für den Radsport und da möcht ich auch mal "Danke" sagen.
So jetzt geh ich mich einfahren und danach wird wieder gekämpft....
lg, Tommy
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25. Mai
Hallo zusammen,
Was für ein Marathontag liegt da hinter uns! Wie soll ich euch das jetzt am besten veranschaulichen? Vielleicht in dem ich euch sage, dass die heutige 16. Etappe in ihrer Härte etwa dem Ötztalmarathon gleich kommt? Dass ich heute jeden einzelnen Kilometer gezählt und mich gefragt habe, wieso um alles in der Welt ich mir das antue?
Es war hart heute, beinhart. Ein Wahnsinn, eine Quälerei sondersgleichen. Eine irre Etappe und ich frage mich echt, wo sie diese Strecken immer wieder auspacken und finden.... ;-) Wer die heutige Etappe via TV mitverfolgt hat, hat glaube ich schon gesehen, wie schwer es für uns heute war. Bei dieser Hammerhitze half nämlich nicht mal mehr, dass man sich ständig das Wasser über den Kopf und in den Mund geschüttet hat. Die Anstiege geht man trotzdem voll auf Anschlag hinauf, aber aufgrund der Hitze ist mir in den Abfahrten dann schon regelrecht schwindlig geworden. Diese Etappe hat mir alles abverlangt, da bin ich froh, dass uns morgen ein Ruhetag bevorsteht.
Wir sind 25km von L`Aquila entfernt untergebracht, irgendwie ist auch das ein komisches Gefühl. Trotzdem werde ich jetzt erstmal einmal versuchen, gut zu schlafen und morgen einfach mal ein wenig die Seele baumeln zu lassen. Rom sind wir jetzt schon sehr nahe. Zumindest im Kopf, denn jene Etappen, vor denen wir nicht nur Respekt, sondern echt Angst (ja wirklich, auch meinen Kollegen gings so) hatten, liegen nun hinter uns. Morgen also ein wenig chillen und dann nochmals Vollgas in Richtung Roma.
Bis bald, Tommy
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22. Mai
Hi Leute!
Extrem heiß war`s heute mal wieder, fast zu heiß um im Sprinttempo quer durch die Toskana zu düsen. Während ich mich gut im Feld versteckt habe, um mich auf die nächsten drei schweren Bergetappen vorzubereiten, hat mein Teamkollege Björn Schröder ordentlich Gas gegeben und sich vom Feld gelöst. Erst ca. 5km vorm Ziel ist er eingeholt worden, wurde für seine Courage also leider nicht belohnt. Dennoch war`s eine super Werbung für unser Milram-Team. Respekt, Björn! Wie gesagt, jetzt geht´s drei Tage lang in die Berge, es sind sicher die anstrengensten Giro-Tage, die uns jetzt bevorstehen. Am "zachsten" wird sicher der Montag, für mich die Giro-Königsetappe.
Was ich mir für die kommenden Tage vorgenommen habe? Ich möchte versuchen, in einer guten Gruppe drinnen zu sitzen, ist aber gar nicht so einfach, sich da im Gemetzel zu behaupten. Aber mal schauen, ob es möglich ist, vielleicht in eine Gruppe reinzurutschen, die evt. sogar um den Sieg mitfährt.
So long, ich wünsch euch was! Liebe Grüße Euer Tommy
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20. Mai
Hallo Leute,
ich melde mich heute von der Sonnenterasse unseres Traumhotels im italienischen Jetsethafen Porto Fino und warte gerade auf den Sonnenuntergang. Was jetzt vielleicht nach Urlaub klingen mag, ist aber eigentlich nur die wohlverdiente Ruhe nach einem wiederum mehr als anstrengenden Tag. Denn obwohl wir alle geglaubt haben, heute würde es eine kontrollierte Etappe für uns alle geben, gab`s dann trotzdem wieder ein totales Gemetzel. Jede Mannschaft wollte in der Gruppe dabei sein, wir sind uns alle nicht wirklich einig geworden. Also hieß es wieder, voller Druck am Pedal über die 214km und das bei Temperaturen um die 34 Grad. Jetzt bereite ich mich mental schon mal auf das morgige extrem anstrengende Zeitfahren vor. 1400 Höhenmeter und über 60km Länge - dieses Zeitfahren gilt als Stunde der Wahrheit, denn es könnte auch schon starke Aussagekraft bezüglich Gesamtwertung haben. Mal schauen, wie es den Leipheimers und Bassos morgen so ergeht. Ich hoffe jedenfalls, dass ihr mir auch morgen wieder die Daumen drückt. Wollte mich auf diesem Wege auch nochmals für die vielen aufmunternden SMS und Gästebucheinträge nach meinem gestrigen verkorksten Tag bedanken.
Toll, wie ihr hinter mir steht. Taugt mir!
glg euer Tommy
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19. Mai
Hallo zusammen,
heute habe ich mir leider so richtig den „Speck außa gfahrn“. So nennen wir das, wenn dich der totale Hungerast einholt. Ich sag`s euch, im Ziel habe ich nur noch Sterne gesehen, während der letzten 20km, der 264km langen Etappe konnte ich kaum noch stehen.
Wie es dazu gekommen ist? Nun, mir war heute in der Früh schon übel und ich konnte einfach nichts zu mir nehmen, obwohl ich mich echt dazu gezwungen hätte. Das Rennen ging los und ich habe mich eigentlich noch recht gut gefühlt. Wir sind extrem schnell gestartet und ich hatte gute Beine, sodass ich am ersten Berg noch mit der selektiven Gruppe von 15 – 20 Leuten mithalten konnte. Aber dann waren die Reserven plötzlich aufgebraucht, der Tank leer. Wenn du nach 150km noch keine Nahrung aufgenommen hast, ist das wie bei einem Auto. Zwei Gels helfen da auch nicht wirklich. Grausam, wenn du dann auf deine Beine schauen und dir selbst sagen musst: Was ist heute mit euch los? Aber dieses Gefühl können wohl auch viele von euch Hobbyfahrern nachvollziehen. Die letzten 20km, den letzten Anstieg also, habe ich dann komplett abreißen lassen müssen. In Anbetracht dieser Tatsache sind die 3min20, die ich heute eingebüßt habe, noch nicht die Welt. Meinem Zimmerkollegen hat es heute leider noch schlimmer getroffen: für Ronny Scholz ist der Giro, aufgrund von starken Rückenschmerzen leider schon vorbei. Ich möchte ihm auf diesem Wege gute Besserung wünschen!
Jetzt hoff ich, dass ich einen verkorksten Tag mit den nächsten Etappen wieder gut machen kann und werde jetzt zusehen, dass ich mich bis morgen möglichst gut erhole. Heute muss wohl etwas mehr Honig aufs Brot ;-)
Also, bis morgen, Tommy
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17. Mai
Hallo Leute!
Ich bin mir sicher, bei vollem Tempo wären heute einige von uns im Krankenhaus aufgewacht, aber gut, dass wir Rennfahrer nicht überall mitspielen. Die „Großen“, sprich Armstrong, di Luca etc. haben sich heute stark gemacht. Die Entscheidung mit dem „Bummelstreik“ ist ziemlich schnell gegangen und dann machst du als Rennfahrer sowieso mit. Alles andere wäre Ehrenbeleidigung, da gibt es ungeschriebene Gesetze. Abgesehen davon stehe ich voll hinter dieser Aktion!
Die neunte Etappe über 163km in der Geburtsstadt des Giro haben wir also heute im Bummeltempo absolviert. Der extrem verwinkelte 15,4 Kilometer-Rundkurs durch das Mailänder Zentrum haben wir Rennfahrer als zu gefährlich befunden. Insgesamt 11mal galt es, den Kurs zu absolvieren, der sich aus nicht weniger als 25 Kurven zusammensetzte. Davon wiesen gleich 12 Kurven eine über 90 Grad Verwinkelung auf, zwei davon verliefen sogar über 120 Grad. Also haben wir die erste Stunde mit einem Schnitt von etwa 33, 07 km/h bestritten. Sechs Runden vor Rennende wurde dann vor dem Zielbereich angehalten und Danilo di Luca erklärte dem Publikum, warum, wieso und weshalb wir uns für diese krasse Maßnahme entschieden haben. Erst zum Finale hin sollte das Tempo forciert werden und ich habe wirklich gehofft, dass die Geschwindigkeit bereits in den letzten drei Runden angezogen wird. Es ist nämlich weniger gefährlich, wenn sich das Feld vor dem Schlusssprint noch etwas auseinanderzieht und sich einige im Sprint ermüdet zurückfallen lassen. Habe heute den Sprintern natürlich den Vorzug gelassen und mich aus den finalen Sprintereien brav herausgehalten. Alles andere wäre Irrsinn gewesen. Durchsetzen konnte sich der Brite Mark Cavendish, es ist der dritte Etappenerfolg für das Team Columbia in Folge. Der Etappensieger kann sich heute eine Zeitbonifikation holen, im Gesamtklassement ändert sich – wie erwähnt – nichts. Super gesprintet sind auch meine beiden Milram – Teamkollegen: Robert Förster als ausgezeichneter 6. und Thomas Fothen auf Rang 10. Jungs, spitze! Besonders erleichtert waren wir heute auch alle, als uns die Nachricht erreichte, dass Pedro Horrillo aus dem Koma erwacht ist. Ich möchte ihm und seiner Familie auf diesem Wege nochmals alles Beste und viel Kraft für eine schnelle Genesung wünschen!
Noch ein kleines Detail am Rande, das mich als Fußball – Fan natürlich ganz besonders freut: Wie ich gestern schon erwähnt habe, können die Fans von Inter Mailand heute verfrüht über den Meistertitel jubeln. Wenn auch wir Radfahrer aufgrund unseres Bummelstreiks heute nicht für all zu viel Sporteuphorie in Mailand sorgen konnten, so schafften dies wenigstens die Mannen der Nerazzuri ;-)
Jetzt freue ich mich erst einmal auf den morgigen Ruhetag. Noch steht uns aber eine 250km lange Transferstrecke bevor und geradelt wird morgen natürlich auch. Mindestens drei Stunden Training stehen auf dem Programm.
Bis bald, Tommy
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16. Mai
Hallo zusammen,
für mich geht heute ein sehr harter Tag zu Ende. Nach zwei Bergankünften und drei Tagen mit über 200 Kilometern war das heute nicht nur ein schweres, sondern auch ein extrem schnelles und gefährliches Rennen mit vielen Positionskämpfen. Natürlich gab`s auch viel Positives zu sehen: so habe ich zum Beispiel noch nie so viele Fans bei einem Radrennen erlebt. Wahnsinn - Wochenendstimmung beim Giro!
Heute früh fühlte ich mich extrem müde und ausgelaugt, aber am Ende waren die Beine wieder super. Mit etwas Glück wäre sogar ein Podiumsplatz möglich gewesen. Den Finalkurs, also die letzten 10 Kilometer kannte ich schon von der U - 23 EM, die ich vor 5 Jahren bestritten habe. Im letzten Anstieg hat Filippo Pozzato leider ein Loch vor mir aufgerissen, das ich dann alleine zu schließen versuchte. Im Sprint war ich ein wenig eingebaut, aber nach 210 Kilometer über sämtliche Berge der Lombardei ist der 10. Platz schon sehr OK.
Während meiner ersten Giro - Woche habe ich täglich gute, konstante Leistungen bringen können und es macht einfach richtig Spaß und Lust auf mehr. Morgen steht ein Rundstreckenrennen in Mailand auf dem Programm, der Renntag steht unter dem Motto „ Milano Show“. Das wird sicherlich gigantisch werden. Zudem spielt auch InterMailand, die morgen schon italienischer Meister werden können. So oder so, ich bin mir sicher, morgen wird in Italien die Erde sportlich beben.
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15. Mai
Hallo Leute!
244 Kilometer lang war die heutige 7. Etappe, die uns wieder raus aus den heimatlichen Gefilden geführt hat. Heute haben wir gleich drei Länder besucht: Denn es gab auch einen Abstecher in die Schweiz, wo wir schließlich über St. Moritz wieder nach Italien zurückgekehrt sind. Bella Italia – du hast uns wieder;-).
Der Start in Innsbruck war heute schon etwas ganz Besonderes für mich. Schön zu sehen, wie groß die Euphorie unter den Radsportfans ist. Mit Blasmusikklängen und frenetischen Anfeuerungsrufen wurden wir vom Platz vor dem Innsbrucker Landestheater hinausbegleitet. Auch heute möchte ich mich wieder ganz herzlich bei allen bedanken, die gekommen sind, um mich zu unterstützen. Ihr seid immer wieder eine riesen Motivation! Meine Glückwünsche gelten auch den Organisatoren vor Ort, spitze gemacht!
Im Rennen selbst ist es mir heute dann eher nicht so gut gegangen. Ich habe mich heute müde und etwas träge gefühlt. Insbesondere, als es dann gegen Ende des Rennens so richtig kalt, grausig und regnerisch wurde. Ich sag`s euch, am liebsten wäre ich stehengeblieben und auf einen Tee zugekehrt. Es war so kalt, dass mir das Gesicht bei der Abfahrt über gute 1500 Höhenmeter regelrecht eingefroren ist. Im Ziel eingelaufen bin ich dann mit Schüttelfrost. Gott sei Dank können wir bei uns im Bus gleich duschen und uns aufwärmen. Wir sind also für alle Eventualitäten gerüstet, wie ihr seht ;-)
Ich hoffe jetzt, dass sich das Wetter für morgen bessert, denn es steht uns wieder eine tricky Etappe bevor. Den Etappenzielort Bergamo kenne ich aus meinen U23-Zeiten noch recht genau und weiß, dass es gilt, auf den letzten engen Anstieg und die Kopfsteinpflaster in der Altstadt aufzupassen!
Bis morgen, euer Tommy!
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ 14. Mai
Hallo Leute!
Gefühle für die Ewigkeit!!! Wie es ist, wenn man bei seinem bisherigen Karrierehighlight, ach was sage ich, bei seinem großen Traum, dem Giro ausgerechnet eine Zielankunft, quasi neben der Haustüre erleben darf? Wie es ist, wenn hunderte Zuschauer deinen Namen rufen? Das kann ich heute nur schwer in Worte fassen. Aber vielleicht schaffe ich es, wenn ich einmal meinen Enkelkindern davon erzähle, wer weiß ;-)
Unglaublich, was heute in Mayrhofen los war. Freunde und Bekannte aus ganz Österreich sind extra ins Zillertal gekommen, um mich anzufeuern. Im Sprint in der Verfolgergruppe konnte ich dann zuletzt zwar nicht mehr ganz mithalten, als 14. mit 36 Sekunden Rückstand auf den heutigen Sieger Scarponi bin ich aber heute wieder vorne dabei und verdammt stolz darauf, dem Druck standgehalten zu haben. Wenn der Giro d´Italia daheim Station macht und man der einzige Österreicher im Feld ist, dann muss man einfach versuchen, vorne dabei zu sein. Ich denke, das ist mir heute ganz gut gelungen.
Mama, Papa, Bruder – alle haben im Ziel auf mich gewartet und waren einfach nur stolz auf ihren „Buam“ – das hat mir der Dad jedenfalls mehrfach versichert. Und von der Mama gab´s neben einer innigen Umarmung auch gleich eine ordentliche Ration Tiroler Bienenhonig zur Regeneration für morgen.
Morgen geht dieses einzigartige Erlebnis dann in seine Fortsetzung. Wir starten in Innsbruck. Ein kleiner Tipp von mir, für alle die uns vor Ort anfeuern wollen: früh genug dran sein, Leute! Es geht um 11.00 Uhr los, aber schon ab 8.00 Uhr gibt’s Musik und jede Menge Entertainment von meinem Freund und Sprecher Othmar Peer. Dem danke ich heute übrigens auch noch für die Gänsehaut, die er mir verpasst hatte, als es zuletzt kreuz und quer über den Mayrhofner Marktplatz ging. Wie ich schon gesagt habe, Gefühle für die Ewigkeit. Ich danke euch für´s Daumendrücken!
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13. Mai 2009
Hallo Leute!
Die heutige Jubiläumsetappe und vor allem ihr 25 Kilometer langer Schlussanstieg auf die Seiser Alm waren so brutal, wie ich es mir erwartet habe. Besonders der zweite Abschnitt auf die Seiser Alm hat es mit seinen bis zu 12%igen Steigungen ganz schön in sich. Super geil war, dass ich auf der Straße immer wieder meinen Namen lesen konnte. Das hat mich so richtig motiviert und ich bin mit einer regelrechten Gänsehaut den Anstieg hinaufgestrampelt. Leider haben mich heute wieder die Pollen schwer gehandicapt. Ein Laster, mit dem ich leben muss - Nießattacken und tränende Augen sind schon eine große Belastung am Rad. Nützt nichts, da braucht`s ab und zu halt einen zünftigen Tiroler Bauernschnäuzer ;-) Apropos Tirol: Ich freue mich schon extrem, wenn´s morgen Richtung Heimat geht und die Etappe beinahe neben meiner Haustüre, in Mayrhofen, endet. Ein Privileg, welches ich als einziger österreichischer Giroteilnehmer erleben darf und ich hoffe natürlich auf viele Zuschauer. Auch Georg Totschnig hat mir verraten, dass er das gerne mal erleben hätte wollen. Ich werde also versuchen, jeden einzelnen Meter zu genießen. Im Zillertal ist jedenfalls kräftigst die Werbetrommel gerührt worden. Morgen warten also Felbertauern und Gerlospass, hier kenne ich quasi jeden Meter. Nervös bin ich nicht, wie gesagt, es überwiegt die Vorfreude. Ein großes Dankeschön an alle, die heute schon in Südtirol mit dabei waren. Bekannte Gesichter entlang der Strecke sind immer eine riesen Motivation. Radsport ist einfach der genialste Sport.
Auch auf Eurosport, das haben mir zumindest Freunde gleich berichtet, fällt immer wieder mein Name. Schon cool! Überhaupt bekomme ich extrem viele SMS von Leuten, die morgen dabei sein werden. Nochmals zum heutigen Rennen: Ich war stets an der Seite von Cunego und konnte ihn letztlich bezwingen. Der 18. Gesamtrang ist nicht selbstverständlich und mit den 3:15 Minuten Rückstand kann ich sehr gut leben. Die heutige fünfte Etappe für sich entscheiden, konnte übrigens der Russe Denis Menchov.
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12. Mai 2009
Ich sage Euch, in der Früh vor einer Etappe ist man schon müde in den Beinen. Es ist jedoch wie mit einem Dieselmotor: Er braucht eine Weile, aber dann paßt die Geschwindigkeit und auch die Müdigkeit ist verloren. Heute hat es beim Giro den erwarteten Umsturz im Gesamtklassement gegeben. Aber erst mal alles der Reihe nach.
Wir fuhren von Padua 162 Kilometer nach San Martino di Castrozza. Gleich nach neun Kilometer ging eine sechs Mann starke Gruppe auf und davon. Die hatten teilweise sogar einen Vorsprung von über 7:30 Minuten. Mit dabei in dieser Gruppe war der deutsche Diesel Jens Voigt, der erst zwei Kilometer vor dem Ziel gestellt werden konnte. Ist schon beeindruckend, welche Kämpferqualitäten der immer wieder an den Tag legen kann. Ich hielt mich fast die gesamte Strecke an der Seite von Lance Armstrong. Hatte durchweg gute Beine und ich fühle mich einfach in den Bergen sehr wohl. Am letzten Kilometer ging dann so richtig die Post ab. Zu diesem Zeitpunkt waren wir, glaube ich, so ca. 30 Mann in der Spitze. In diesem Moment wankte Armstrong neben mir und ich probierte mit den Besten mitzugehen, was mir zum Glück auch gelungen ist. Allerdings bekam ich bei der Linkskurve 400 Meter vor dem Ziel einen Krampf und mußte dadurch den Druck von den Pedalen nehmen, ansonsten kann das gerne auch mal einen Muskelriss geben. Ich bin mir so kurz nach dem Etappenende nicht sicher welche Platzierung ich genau habe, jedoch hab ich gesehen, dass ich auf Platz 15 in der Gesamtwertung geführt werde. Dort liege ich 1:02 Minuten hinter dem Rosa Trikot.
Danilo Di Luca hat im Zielsprint diese heutige Bergankunft gewonnen. In der Gesamtwertung führt jetzt der Schwede Thomas Lövkist. Auf die morgige Etappe auf die Seiser Alm freu ich mich schon sehr. Es wird zwar schwierig, teilweise extrem steil, aber es werden morgen viele Freunde und Bekannte nach Südtirol kommen. Ich bin diesen Streckenteil vergangenen Mittwoch noch abgefahren. Ich bilde mir auch ein, dass ich jeden Meter dieses langen Anstieges kenne... Zudem sollte mir der morgige Berg besser liegen als der heutige Schlussanstieg, da es doch teilweise deutlich steiler werden wird. Ich glaube auch, dass man sich nicht mehr so lange belauern wird wie gerade eben - es wir ein richtiges "Gemetzel" geben.
Übrigens wird der Giro genau morgen 100 Jahre alt. Das Rezept kann nur lauten: sich konzentrieren, eine aufmerksame Fahrweise wählen und im richtigen Moment zuzuschlagen, oder zumindestens dabei zu sein.
Gruß Tommy
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11. Mai 2009
Was war das heute wieder für eine beinharte Angelegenheit. Heiß, teilweise bis zu 30 Grad und mehr, und mit 198 Kilometer war das Rennen auch nicht unbedingt die kürzeste Etappe dieser 100- jährigen traditionsreichen Rundfahrt. Ich war eigentlich die ganze Zeit gut im Rennen, nur einmal rutschte mir fast das Herz in meine doch sehr enge Radhose. Es war knapp 10 Kilometer vor dem Ziel, als wir schon im Zielort von Valdobbiadene waren. Da gab es einen Massensturz in dem ich nicht nur dabei, sondern mittendrin steckte. Neben mir war auch noch der bisher führende Mark Cavendish in diesen Massensturz involviert. Wir verloren dadurch wertvolle Zeit. Ausser mir gelang es nur wenigen, den Anschluß an die Spitzengruppe wieder zu finden. Cavendish verlor mehr als eine Minute. Ich konnte zu guterletzt sogar wieder richtig vorne hineinfahren und belegte schlußendlich Platz 15. Auch in der Gesamtwertung hab ich einen Riesensprung von 37 auf 20 gemacht - aber das ist nur eine Momentaufnahme. Es führt aufgrund seines heutigen zweiten Etappenerfolges Alessandro Petacchi. Lance Armstrong ist Fünfter. Die meiste Zeit war es heute wieder sehr hektisch und ich freu mich jetzt eigentlich schon richtig auf die Berge. Morgen rollt der Giro nach San Martino di Castrozza, da wartet auf uns in 1.466 Metern Höhe die erste von insgesamt fünf Bergankünften dieser Rundfahrt.
Gratulieren möchte ich heute auch noch Björn Schröder. Mein Teamkollege war grandios unterwegs. Er war bis ca. 30 Kilometer vor dem Ziel in einer fünf Mann Spitzengruppe, was natürlich für uns von MILRAM extrem wichtig war. Björn, echt super Leistung, gratuliere. Noch was muß ich Euch erzählen: Während wir heute unsere Kilometer abstrampelten, wurden wir auf eine Landebahn umgeleitet. Sekunden später fliegt über unseren Köpfen die weltweit bekannte Flugstaffel und der Stolz Italiens, die Freece Tricolori (die dreifarbigen Pfeile), hinweg, mit den Kontensfarben der italienischen Flagge. Das war nicht nur beeindruckend, sondern reines Gänsehautfeeling. Ich hoffe, ich kann Euch dieses Gefühl vielleicht in den kommenden Tagen auch mal geben.
In diesem Sinne wünsch ich a Guats Nächtle
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10. Mai 2009
Es war wirklich stressig zu Beginn des Giro. Der gestrige Tag war ein sehr anstrengender, da ich mir schon ein wenig Druck mache wegen der Teamkapitänsrolle. Ist eigentlich schon unglaublich. Mein erster Giro, meine erste Tour über drei Wochen und zum ersten Mal bin ich der Kapitän in meinem Team MLRAM. Der Start zum gestrigen Teamzeitfahren war um 15 Uhr. Schon um ca. 12.oo Uhr sind wir von Jesolo angereist. Was mich dann an unserem MILRAM Stand erwartet hat, war wirklich großartig. Viele Fans, typische italienische Emotionen, schöne Frauen und eine Riesendelegation aus Tirol mit den wichtigsten Touristikern des Landes haben unser Team am MILRAM Bus besucht. Die Jungs haben mich nochmals richtig motiviert und es hat mir auch Glück gebracht. Beim schwierigen Teamzeitfahren über 20,5 Kilometer war Columbia in 21:50 Minuten zwar nicht zu schlagen, allerdings haben wir uns am Lido von Venedig als zehnt bestes Team, mit einem Rückstand von 49 Sekunden, nicht so schlecht geschlagen. Das Wichtigste war gestern sicherlich nicht zu stürzen und eine gute Mannschaftsleistung zu bringen. Beides ist uns/mir gelungen.
Zur heutigen Etappe:
Diese führte uns von meinem Kinder Urlausort Jesolo nach Trieste (156 km), über viele Kurven und vor allem auch schlechte Straßenbeläge. Das Rennen war heute extrem stressig. Viele Kurven, wie schon geschrieben, schlechte Straßenbeläge, viele Positionskämpfe und auch einige Stürze. Leider hat es auch von unserem Team Matthias Ruß erwischt. Er hat sich das Schlüsselbein gebrochen und damit ist für Ihn diese Tour logischerweise schon vorbei. Matthias, ich wünsche dir jedenfalls von hier aus das Allerbeste. Ich hab am Schluß probiert, mich aus diesen vielen Positionskämpfen raus zu halten und bin immer weit vorne gefahren. Am Ende bin ich als "Antisprinter" sogar 19. geworden. Bin mal zufrieden, dass diese Etappe für mich so geendet hat. Für das heutige Streckenprofil waren sicherlich die Sprinter gefragt, und die haben sich auch durchgesetzt. Sieg für Petacchi, vor Cavendish und Swift. Was bleibt mir von dieser Etappe noch in Erinnerung. Mit Sicherheit diese fantastische Stimmung. Es waren, glaub ich, hunderttausende Menschen auf der Straße und die haben mit uns eine Riesen-Radparty gefeiert. Ich gönne mir jetzt eine Massage, und werd morgen wieder berichten wie es mir bei meinem ersten Abenteuer Giro geht.
Gruß aus Triest Tommy
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